
Jedermannlauf von 1984 bis heute: Laufsport mit Tradition
Der Jedermannlauf blickt auf eine lange Tradition zurück. Er feierte seine Premiere im Jahr 1984, übrigens ohne Zeitnehmung. Als Datum wurde der 26. Oktober gewählt. Der Nationalfeiertag stand seit Anfang der 1970er-Jahre ganz im Zeichen von Fitnessläufen und -wanderungen, ganz im Sinne der Aktion „Fit mach mit“, weshalb in den Anfangsjahren auf ein offizielles Ergebnisranking verzichtet wurde. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert.
Beeindruckende 1.700 Teilnehmer*innen liefen am 26. Oktober 1984 in der Salzburger Altstadt eine 5,5 Kilometer lange Strecke, unter ihnen der damalige Salzburger Bürgermeister Josef Reschen, der damalige österreichische Marathonrekordhalter Gerhard Hartmann und das Salzburger Laufwunder Monika Frisch. Herbert Moritz, seinerzeit Sportminister, hatte via Hörfunk das Startzeichen für alle synchron abgelaufenen Fitnessläufe in Österreich gegeben. „So einen Lauf hat Salzburg noch nie gesehen“, beschrieben die Salzburger Nachrichten, bei der Premiere wie auch die Salzburger Sparkasse Teil des Veranstalterteams, die „Goldene Stunde beim Jedermannlauf“.
„Ein Fest der Breitensportbewegung“
Das überwältigende Startsignal für den Traditionslauf in der Mozartstadt war gesetzt, der Nationalfeiertag war in Salzburg viele Jahre lang untrennbar mit dem Jedermannlauf verbunden. Das nach der Premiere durch die Veranstalter ausgerufene Ziel der 3.000 Teilnehmer*innen erreichte der Jedermannlauf tatsächlich im Jahr darauf auf veränderter Strecke mit Start und Ziel vor dem Festspielhaus, als der Nationalfeiertag auf einen Samstag fiel. „Ein Fest der Breitensportbewegung bei strahlendem Sonnenschein“, fanden die Salzburger Nachrichten angesichts der 3.257 Aktiven, „eine endlos erscheinende anonyme Läuferschlange“. Die passende Schlagzeile von damals: „Eine Stadt schlüpfte in Laufschuhe!“
Der Jedermannlauf, so schrieb die SN nach der zweiten Auflage, sei aus dem Veranstaltungskalender „nur mehr schwer wegzudenken“. 1986 waren es, an einem Sonntag, bereits 3.618 Anmeldungen, die Salzburg bei typischem „Schnürlregen“ in eine Laufstadt verwandelten. Es war der historische Höhepunkt in der Dimension!



Als Niki Lauda die Sieger*innen ehrte
In den folgenden Jahren etablierte sich der Jedermannlauf als attraktiver Event mit für die damalige Zeit großartigen Teilnahmezahlen. Beim kleinen Jubiläum der fünften Auflage wurde neuerlich der 3.000er geknackt. Die erfolgreiche Initiative lockte auch Prominenz an. 1987 legte Carina Weber-Leutner ihre Generalprobe für den New York City Marathon ab, 1988 siegte Lokalmatadorin Monika Frisch, die fünf Jahre zuvor als als nicht einmal 13-Jährige österreichische Marathonmeisterin wurde und damit für internationale Schlagzeilen sorgte, 1993 – zur zehnten Auflage – kam der dreifache Formel-1-Weltmeister Niki Lauda zur Siegerehrung des Jedermannlauf. Zu dieser Zeit unterstützte die Sportmarke PUMA den Jedermannlauf – eine Klammer aus der Vergangenheit in die Gegenwart.
Schüler*innen entdecken den Laufsport
All diese Beispiele demonstrieren, welch hohe Bedeutung der Jedermannlauf für die Entwicklung des Freizeitsports für alle in Salzburg hatte. Einen besonderen Stellenwert ordneten die damaligen Hauptverantwortlichen von der Salzburger Sparkasse stets der Jugend zu. Die Schulwertung beim Jedermannlauf war prestigeträchtig, zahlreiche junge Läufer*innen nahmen Jahr für Jahr teil und formten so ihre Begeisterung für das Laufen.
Zum Start des letzten Jahrzehnts im letzten Jahrhundert nahm der Zulauf für „Fit mach mit“-Initiativen in Österreich drastisch ab. In Salzburg war man stolz, diesen Trend deutlich zu abzufedern. Jahr für Jahr kamen 1.500 bis 2.000 Sportbegeisterte zum Jedermannlauf, fiel der 26. Oktober auf ein Wochenende, waren es auch deutlich mehr. Im Jahr 2000 übersprang der Jedermannlauf noch einmal die Marke von 3.000 Teilnehmer*innen.



Die Premiere des Halbmarathons
Ende des 20. Jahrhunderts erkannte man in der internationalen Bekanntmachung den Nachteil des wechselnden Wochentags des Nationalfeiertags und legte den Jedermannlauf auf einen Sonntagstermin. Ab 1997 wurde ein Halbmarathon als Hauptbewerb eingeführt, der Jedermannlauf überschritt die Schwelle vom reinen Breitensportevent zum Laufevent mit spitzensportlichen Ambitionen und großem Andrang für Jedermann und Jedefrau. Ab Anfang des Jahrtausends fand im Frühjahr ebenfalls ein Halbmarathon in Salzburg statt, man zählte großzügig doppelt, weswegen die 20. Auflage des Jedermannlauf auf den Herbst 2002 fiel.
Die Geburt des Salzburg Marathon
Mit der Bestrebung, in Salzburg einen Marathon auszurichten, was 2004 mit der Premiere des Salzburg Marathon erfolgreich gelang, begann der Niedergang des Jedermannlauf. 20 Jahre nach seiner grandiosen Premiere fand die vorerst letzte Jedermannlauf-Ausgabe statt, die Mozartstadt schien damals zu klein für zwei große Laufveranstaltungen.
Marathon-Veranstalter Johannes Langer hauchte dem Jedermannlauf mit dem Comeback 2012 wieder Leben ein. Im strömenden Regen siegten Lokalmatador Karl Aumayr und die Wienerin Kamila Polak. Auch das Wetter erinnerte an die „guten alten Zeiten“, denn laut den historischen Dokumentationen schien am 26. Oktober über Salzburg nicht allzu häufig die Sonne.



Sprungbrett für Salzburger*innen
Das Konzept mit drei 7km-Runden und Start und Ziel am Universitätsplatz erinnerte an die Jahre rund um die Jahrtausendwende. Die Akzeptanz des neuen Jedermannlauf wuchs in der Laufszene schnell. Die mehrfache Austragung der ÖLV-Staatsmeisterschaften im Halbmarathon sorgte für etliche spitzensportliche Highlights und neue Entdeckungen, wie das Halbmarathon-Debüt von Jennifer Wenth 2014 oder der überraschend starke Auftritt Peter Herzogs 2016, Olympia-Teilnehmer 2021 und zigfacher Salzburger Landesrekordhalter. Der damals in der Szene noch unbekannte Pinzgauer hätte beinahe den mehrfachen Halbmarathon-Staatsmeister Valentin Pfeil besiegt.



Neue Heimat im Volksgarten
Die Pandemie zwang den Jedermannlauf zu einem weiteren Einschnitt. Um die Durchführung zu sichern, war der Umzug in den zentrumsnahen Volksgarten notwendig. 2020 und 2021 konnte der Jedermannlauf im Gegensatz zu vielen anderen Laufevents durchgeführt werden, allerdings in kleinerer Größe und unter besonderen Voraussetzungen.
Die grüne Sport- und Bewegungsoase in Zentrumsnähe wurde zur neuen Heimat des Jedermannlauf. 2025 ist der 10km-Lauf die Hauptdistanz – eine Strecke, die sowohl für erfahrene Läufer*innen als auch Laufeinsteiger*innen eine tolle Bühne bietet.



Der traditionsreiche Stadtlauf heute
Nach 41 Jahren ist der Jedermannlauf längst nicht im historischen Archiv verstaubt. Er ist lebendig und lebt seine Tradition weiter. Zu nostalgischen Schwarz-Weiß-Fotos in Zeitungen, die glorreiche Dokumente darstellen, produzieren sich Jahr für Jahr neue, bunte und farbenfrohe Bilder, die Jedermannlauf-Emotionen aus der Gegenwart erzählen. Am 5. Oktober wieder.
Informationen und Scans alter Medienberichte: © Salzburger Nachrichten
Fotos aus den letzten Jahren: © Jedermannlauf / Alexander Schwarz, Salzburg Cityguide, SIP, Christian Köhler, Theresa Marka